Mittwoch, 30. Januar 2008

Wintermarkt

Das Highlight des Jahres in meinem Heimatdorf. Heute war es wieder soweit. Jedes Jahr am Mittwoch vor Aschermittwoch ist die Bevölkerung im Dorf unterwegs, um den Budenzauber zu erleben. Viele Weggezogene lassen sich extra für diesen Tag von der Arbeit beurlauben, um dabei sein zu können. Sie reisen vormittags an, lassen sich von Verwandten zum traditionellen Mittagessen bei Rippchen und Kraut einladen, flanieren über den Markt, wobei die Buden oft Nebensache sind. Hauptsächlich gilt es zu schwatzen, alte Bekannte zu treffen, auf ein-zwei-drei Bier beim Dorfwirt zu hocken. Für die Daheimgebliebenen werden Socken, Gebrannte Mandeln und Kräuterbonbons gekauft. Nachmittags verabredet man sich mit/bei alten Freunden zu Kaffee und Fietzchen, wie die Berliner hier genannt werden.

Um 18 Uhr stellt sich die örtliche Burschen- und Mädchenschaft zum Fackelzug auf, ein Spielmannszug ist mit von der Partie und vorher ausgewählte Dorfbewohner werden mit einem Haus-Ständchen überrascht. Anschließend zieht der Lindwurm lauthals singend ins Bürgerhaus ein, wo der Tag bei Bier und Wein, Gesang und Tanz, bis zum oft bitteren Ende, beendet wird.



Die alte Eiche auf dem Friedhof und das Kriegerdenkmal


Hinein ins Getümmel ...

Nein, das sind keine Kaffeekannenwärmer.



Zu kaufen gibt es, was das Herz begehrt. Von Decken, Socken, Deko über Strumpf- und Stopfgarn zum nützliches für den Haushalt wie Backformen, Nudelhölzer und Kochlöffel.



Erstmalig vertreten war dieser Stand mit Schafsmilchseife. Trotz dem kalten und windigen Wetter verfing sich der zarte Duft der Seifen unter der Markise des Standes.

Und weiter gehts bei den Textilien. Kittelschürzen, Unterhosen- und hemden für die Omma, dicke Socken für den Großvater .... extra preisgünstig und garantiert haltbar bis zum übernächsten Waschtag.
Die Enkelkinder wollen neue bunte Stricksocken haben
... und natürlich Spielzeug, völlig überteuert, aber das stört die Kinder nicht im Geringsten. Schließlich ist der Geldbeutel gut gefüllt mit den Marktgroschen von Opas, Patentanten und Onkeln.

Das alte Backhaus markiert den Mittelpunkt des Dorfes, die Hälfte des Weges ist geschafft. Drum an dieser Stelle eine Erklärung, was es mit dem Wintermarkt auf sich hat. Früher war es ein Bauern- und Viehmarkt. Irgendwann kamen Kurzwarenhändler hinzu, die Hausfrauen versorgten sich mit Knöpfen, Stopfwolle, Gummibändern usw. Dann maulten wohl die Kinder, für sie gäbe es gar nichts zu sehen und kaufen. Also weitere Buden mit Spielwaren. So baute sich langsam das heutige Warenangebot auf. Der Handel mit Tieren ist mittlerweile ganz verschwunden. Einzig der Angelverein verkauft Räucherforellen im Backhaus.







Und weiter gehts, nur keine falsche Müdigkeit aufkommen lassen. Auch wenn die Füße gefroren sind, die Finger nasskalt, da muss mal durch. Einmal muss man komplett durchlaufen.





Gewürze aus aller Herren Länder Auch für den besten Freund des Menschen ist gesorgt
wie wäre es mit dieser hübsche Stickdecke?



Ein Traum für alle Puppenmuttis

Und zum Abschluss Socken für die Kleinsten

Tja, das wars dann wieder mal. Und genau pünktlich zum Tagesereignis stellte sich das richtige Nieselregen-graubelschauer-schneeregen-Wetter ein. Denn es heißt nicht umsonst:

Wenns stürmt und schneit, ist der Wintermarkt nicht weit.

Mittwoch, 23. Januar 2008

Der rollende Krammarkt

"Der billige Mann kommt!!"
So tönt es einmal monatlich durch das Dorf. Die Hausfrauen zücken ihr Portemonaie, überprüfen den korrekten Sitz ihrer Frisur und ab gehts auf die Gasse. Bis der Wagen um die Kurve kommt und am bekannten Haltepunkt zum stehen kommt wird mit den Nachbarinnen geratscht, Neuigkeiten ausgetauscht. Drinnen brennt das Mittagessen an, draußen brodelt die Gerüchteküche ... mehr oder weniger ...
Wer oder was ist nun dieser ominöse "Billige Mann". Wie auf den folgenden Fotos unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um einen fahrenden Kramladen, der mittlerweile von einer Frau gesteuert wird (ein Hoch auf die Emanzipation).
Die Planen werden hochgeschlagen, Körbe auf den Boden gestellt, hinten ein Regal ausgezogen. Schon ist das Geschäft eröffnet.

Kaufen kann man dort all das, was man für den täglichen Haushalt braucht oder auch nicht braucht. Wolle, Geschirr, Schüsseln, Putzlappen, allerlei Dekoartikel, Stopfgarn, Stricknadeln, Kinderspielzeug und weiteres, was das Herz begehrt.



Sollte einmal etwas nicht gefunden werden, kein Problem. Die Herrin des Ladens weiß Rat und befördert mit einem Griff in die Untiefen des Wagen das Gewünschte hervor. Und wenn gerade das eine ganz bestimmte Kaffeelöffelchen mit diesem gewissen Schnörkeldekor ausverkauft ist, auch kein Problem. Dann warten wir eben vier Wochen darauf ...




Ganz wichtig und drum heiß umlagert ist die Putzmittelabteilung. Hier werden die diversen Produkte gelobt oder verworfen. Tipps und Erfahrungsberichte werden ausgetauscht, welche Chemie für welche Flecken am geeignetsten ist.

Und wenn nach der Putzorgie die Beine schmerzen, wenden wir die gute rote Weinlaubcreme an.





Es ist immer ein besonderes Ereignis, gerade für unsere lieben Alten, eine nette Abwechslung im täglichen Einerlei. Und nach einem befriedigten Einkauf, wenn auch der lang gehegte Wunsch nach einem neuen Trockenblumengesteck erfüllt ist, gehen alle zufrieden zurück in ihre Häuser, sofort hin zum Kalender und markieren, wann der "billige Mann" das nächste Mal kommt.

Dienstag, 22. Januar 2008

Botanischer Garten in Marburg

Neben dem Schloss ist der Botanische Garten eine weitere Sehenswürdigkeit unserer Kreisstadt Marburg. Der Eintritt ist mit 2.- Euro wirklich günstig und zu jeder Jahreszeit lohnt sich ein Besuch dort.
Ich war mit einer Freudin im letzten Spätsommer dort. Am Eingang empfängt uns sogleich geballte Farbe von Chrysanthemen und riesigen Solanum


Diese Pflanze kenne ich von den Kanaren, weiß aber momentan nicht den Namen.


Die weiße Echinacea gefällt mir so gut, leider gefällt es ihr nicht in meinem Garten.



Ja, so eine Hortensie muss ich auch noch haben. Wunderschön!


Dies ist (für diesen Besuchstag) mein Favoritenbeet. Ich finde, es passt alles zusammen. Auch wenn ich kein Gelb-Fan bin. Aber der Spätsommer/Herbst geht einfach nicht ohne diese Farbe.




Dieser eingezäunte Bereich beherbergt den Bauerngarten mit allerlei Gemüse, Blumen, Beeren und Bäumen. Man fühlt sich hier wie zurück versetzt in Oma's Garten.




An was erinnert dies? Der Teich, die Trauerweide, die Seerosen ...? Natürlich, Monet. Es fehlt nur noch die Hängebrücke.





Der botanische Garten hat eine riesige Rosensammlung. Diese in der Blüte zu erleben habe ich mir für dieses Jahr fest vorgenommen.

Wenn draußenschlechtes Wetter ist, kann man die Hallen besichtigen.
Farne, Bromelien, Sukkulenten, Kakteen und vieles mehr kann man dort bestaunen.



Sogar einige hübsche Orchideen blühten gerade