Sonntag, 2. März 2008

Schmusekater Sunny

Ich hatte euch die Geschichte von Sunny versprochen.
... nachdem uns also Luna gefunden hatte, dachten wir uns, es wäre schön noch einer zweiten Katze ein zu Hause zu bieten. Wiederum machten wir uns daran, gefunden zu werden.
Eines Tages, Luna musste wegen einer leidigen Ohrerkrankung zum Tierarzt, sprachen wir dort das Thema an. Die TA-Helferin sagte: Ach, wir haben da gerade ein kleines Kätzchen, dass wir aufpäppeln und dann zur Tierhilfe geben werden. Wollen Sie mal gucken??
Okay, sagte ich, aber nur gucken! Ein knapp 800-g-Knäuel wurde mir in die Hände gelegt. Leni würde sie heißen (damals war es noch eine "sie"). Sieben Wochen jung. Seit einer Woche in liebevoller Handaufzucht beim TA. Das Kitten wäre in Wald ausgesetzt worden. Kinder hatten es beim Spielen gefunden und in die Praxis gebracht. Total verdreckt, erkältet, verschnupft, mit schlimmen Durchfall, mehr tot als lebendig und kaum einer Chance, den Kampf zu gewinnen.
Aber sie schaffte es. Fraß und nahm zu, der Husten und Schnupfen und die entzündeten Augen heilten langsam ab, einzig noch ab und an Durchfall. Aber sie würde sich schon alleine das Fell lecken, das wäre ein gutes Zeichen. Tja. Nee. Was soll ich sagen. Es blieb nicht bei "nur mal gucken". Zwei Tage später zog Leni bei uns ein.
Hier das erste Foto, per Handy, deshalb die schlechte Qualität.
Die ersten Tage daheim waren anstrengend. Die Kleine wollte partout nicht alleine sein beim Fressen. Sie war es vom TA gewohnt, dass sie jemand kraulte und neben dem Napf saß. Langsam aber stetig schafften wir diese Angewohnheit ab. Aber - noch heute genießt sie die Streicheleinheiten beim Fressen.
Luna war logischerweise nicht begeistert vom Familienzuwachs, hatte sie doch bis dato die Alleinherrschaft über uns. Aber was blieb ihr übrig - sie musste nicht dran gewöhnen. Und oft denke ich, sie geniesst es doch einen Spielgefährten zu haben, mit dem sie durch Garten und Wohnung toben kann.



Ein anderer Name musste noch gefunden werden. Leni hieß die verstorbene Lieblingstante meines Mannes. Nein, das ging ja nicht. Also dachten wir uns: Luna - Mond. Also was mit Sonne ... Sunny.
Bei der ersten Kontrolluntersuchung beim Tierarzt trug sich dann folgende weitreichende Geschichte zu: Der TA wollte Fieber messen, stutzte - stutzte, sagte: Das ist nicht Leni. Ich sagte: Ist sie wohl. Nein, sagte er, ist sie nicht. Das ist keine Leni. Das ist ein Junge!! Da hat wohl jemand nicht richtig unter den Schwanz geguckt.
Da hatten wir gut getan mit unserer Namenswahl. Denn auch ein Kater kann Sunny heißen!
Wer soviel tobt, schläft auch gut. Klar am liebsten in der Sonne auf einer weichen Unterlage.
Einen Sommer später ist Sunny schon zu einem stattlichen Kater herangewachsen. Entbömmelt ist er, das war uns sicherer. Erstens zum Entgegnen des geruchsintensiven Markierens, zweitens wegen der Wanderlust eines unkastrierten Katers. Drittens mögen wir keine dicken Katerbacken. Das würde auch nicht zu ihm passen. Er ist sehr zierlich, teils auch durch seinen mittlerweile chronischen Katzenschnupfen. Den halten wir aber mittels vierteljährlicher Antibiotikaspritzen in einem für ihn erträglichen Maß.
Immer wachsam, die Ohren auf "Hab-Acht-Stellung". Er ist eine Plaudertasche, begrüßt seine Lieben laut schnatternd, das morgendliche ausgiebige Schmuseritual mit ihm ist herrlich. Überhaupt ist er ein rechter Kampfschmusekater.
Kinder liebt Sunny immer noch sehr. Erinnert er sich an seine Rettung vor dem Tode, an die warmen Kinderhände, die ihn behutsam zum Arzt getragen haben, an die Stimmen, die da so liebevoll zu ihm gesprochen haben?? Alle Leute hier in der Umgebung kennen und mögen ihn. Er geht den Nachbarskinder täglich ein Stück vom Schulweg entgegen, lässt sich von ihnen kraulen, spielt mit ihnen. Vertrauensselig wie er ist, lag er auch schon schlafend in fremder Leute Wohnung im Sessel. Als er einmal nachts nicht heim kam, waren wir in großer Sorge. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass er am Vortag ein paar Straßen weiter aufgetaucht sei, mit der Tochter des Hauses gespielt habe, dann ins Haus marschierte und sich in den Korb des Hofhundes zum Schlafen legte. Der Hund musste die Nacht übrigens draußen verbringen. Das war noch zu seinen Anfangszeiten hier. Mittlerweile ist er überall bekannt und wir werden schon mal telefonisch zum Abholen benachrichtigt. Was haben wir doch nette Mitmenschen.
Schnee mag er nicht, wie man hier sieht. Außer Dosi wirft Schneebälle in die Luft. Diese zu fangen ist eine lustige Sache.

Überhaupt ist Sunny ein Vielspringer. Wann- und woimmer es gilt, schwebt er in der Luft.

Und dann ist er wieder müde und muss schlafen. Wie immer, am liebsten da wo die Sonne so richtig doll auf das schwarze Fell knallt.
Hallo Frauchen, schmust du bitte mit mir?!
" Weil ich dich liebe, schenke ich dir diese Maus ..."
und schon wieder auf der Lauer ...

Ach ja, er ist schon ein süsser Fratz. Er hat eine mächtig große Klappe, tut großspurig. Aber nur um zu vertuschen, was für ein Angsthase er ist. Ja wirklich, er ist sehr ängstlich. Selbst im Haus, wenn wir einmal zu schnell "um die Ecke" gehen, zuckt er zusammen.

So, nun bin ich mit meiner Erzählung am Ende. Ich gehe jetzt eine Runde schmusen, mit meinem allerliebsten Katerchen Sunny. Wir werden es beide geniessen.

....

Nachtrag: Eines Abends kam Sunny nicht mehr nach Hause. Er wurde gesucht, gesucht, gesucht, nach ihm gerufen. Tagelang. Ohne Erfolg. Wir werden niemals erfahren, was ihm passiert ist.

8 Kommentare:

Daniela hat gesagt…

Hallo Gudi, eigentlich wollte ich den PC abschalten und so langsam in Richtung Bett verschwinden. Aber dann habe ich noch in Deinen Blog geschaut und die Story von Sunny mit den wunderschönen Fotos gelesen. Und nun muss ich also meinen Kommentar dazu abgeben! Denn solche Geschichten berühren mich immer ganz besonders und lassen die Erinnerung wach werden an so einige, die ich selbst mit meiner Rasselbande von 7 + 1 (+ 1 ist eigentlich ein Dauergast, der aber nun schon seit 3 Jahren lieber bei uns ist als in seinem eigentlich zu Hause)erlebt habe. Darüber könnte ich auch stundenlang berichten.

Sunny hat wirklich grosse Glück gehabt und ein schönes Heim bei Dir gefunden. Man sieht ihm an, wie wohl er sich fühlt.

Hoffe, Du hast schön mit Deinen Miezen geschmust und wünsche Dir eine schöne Woche.

LG
Daniela

Bek hat gesagt…

Das ist wirklich eine liebe Geschichte. Die Fotos sind auch einzigartig.
LG, Bek

Lis vom Lindenhof hat gesagt…

Euer Sunny erinnert mich vom Aussehen ein bisschen an unseren Leo. Und nicht nur das, auch Leo ist sehr ängstlich, aber auf die Idee zu jemand anderen nach Hause zu gehen würde er nie und nimmer kommen! So hat halt jedes Tierchen seine Eigenheiten, nicht immer zur Freude seiner Besitzer! Du weisst schon was ich meine. :-(
LG Lis

Wurzerl hat gesagt…

Oh, schon wieder so eine Katzengeschichte, die man förmlich verschlingt. Sunny und Luna haben GsD einen guten Platz erwischt, aber den haben sie sich auch wirklich hart verdienen müssen. Hast Du ein Glück, wer hat schon Adoptiveltern mit vier Beinen. Bei uns ist immer GG adoptiert worden, egal, ob Hund, ob Katz!
Lieber Gruß vom Wurzerl
P.S. wie sagen denn die beiden zu Dir? Augenstern???

Gudi hat gesagt…

Wurzerl, sie schnurren: Dosi, ich will essen!! Dosi, ich will spielen!! Dosi, ich will schmusen!! Dosi, ich bin müde!! Dosi bitte das Klo säubern!!
Anspruchsvolle Herrschaften eben. Aber ohne sie ists unvorstellbar. Ich darf gar nicht dran denken, dass ich sie bald zwei Wochen lang nicht sehen werde, das könnte mir glatt die Vorfreude verderben

Fuchsienrot hat gesagt…

Ach das ist ja wieder so eine süße Katzenstory, Gudi! Der Sunny hat's bei euch gut getroffen, das spürt man sofort. Ein ganz niedlicher Kerl ist das...
Liebe Grüße
Angelika

Luzia hat gesagt…

Ein gesprächiger Schmusekater, der gerne hüpft und bei den Nachbarn schläft. Man muß ihn einfach liebhaben denke ich! LG Luzia.

Sisah hat gesagt…

Eine traurige Geschichte mit einem für alle so wunderbaren Ende. Und die Fotos illustrieren so herrlich Sunnys Wesen.
Unser Kater Dooley hat denselben Anzug *grins* wie Sunny und übrigens ähnliche Verhaltensweisen, er geht gerne zu den Nachbarn und ist ebenfalls extrem auf Kinder fixiert, In ihrem Arm hängt er immer wie eine Puppe. Inzwischen ist er schon im vierzehnten Lebensjahr und seine Jagdleidenschaft hat sehr nachgelassen.
LG
Sisah