Sonntag, 11. Mai 2008

Sehnsucht nach dem Paradies

Beim Räumen und Entrümpel des Dachbodens fand ich einige alte Ausgaben der Zeitschrift "Mein schöner Garten". Es war und ist sehr interessant, darin zu lesen. Ich stelle fest, das (meiste) vor über 20 Jahren geschriebene hat auch heute noch seine Richtigkeit.In der Ausgabe vom Februar 1984 fand ich das folgende Vorwort der Redaktion:




"Manchmal fragt man uns, was denn so schön ist an der Gartenarbeit. Beim Umgraben schmerzt doch bald der Rücken, Rosen stechen, werden sie unvorsichtig geschnitten, und einmal in der Woche den Rasen mähen, das gehört auch nicht gerade zu den lustgsten Tätigkeiten. Was also macht Gartenarbeit schön?


Die Antwort findet sich tief in der Vergangenheit der Menschen. In allen Kulturen besteht die Sehnsucht nach dem Paradies, das ja nichts anderes ist als das Sinnbild für den schönsten aller Gärten.
Der umfriedete Raum war stets etwas Besonderes: Hort für die Toten, Opferstätte für die Götter, Ort für die Zwiesprache des Menschen mit der Natur. Er war und ist der Ort des Friedens. Ein Stück Wildnis ist erst dann ein Garten, wenn sich in ihm ein Mensch mit seinen Gedanken und Gefühlen verwirklicht sieht. Ein solcher Garten ist voller Harmonie, zumindest für den, der ihn geschaffen hat.
Die Tagesarbeit lässt nur wenigen die Chance, eigenschöpferisch tätig zu sein. Im Garten ist nichts mehr gefragt als "Kreativität", die Fähigkeit, Vorstellungen zu entwickeln und zu verwirklichen. Der Gärtner erkennt an seiner selbst gestalteten Umgebung, was in ihm steckt. Die Natur schweigt nicht zu seinem Tun. Eine Antwort kommt immer, manchmal nicht die gewünschte.
Gartenarbeit dient also dem Zusammenklang von Mensch und Natur, sie dient dem inneren Frieden. Sie verbindet Menschen über die vielfältigsten Schranken hinweg, seien sie sozial oder durch das Alter bedingt. Alles in allem: Gärten stimmen friedlich.

Das mag der Grund sein, weshalb gerade in unserer unruhigen Zeit immer mehr Menschen die Sehnsucht nach dem eigenen umfriedeten Paradies in sich wahrnehmen und es gar nicht als Last empfinden, wenn der Rücken schmerzt, die Rose sticht und der Rasen schon wieder zu mähen ist."
Ich wünsche euch allen ein schönes Pfingstfest.

9 Kommentare:

Lis vom Lindenhof hat gesagt…

Vor einigen (vielen) Jahren ist mir beim ausräumen der Wohnung meiner Eltern die allererste Ausgabe der MsG in die Hände gefallen. Ich hatte sie damals für meine Mutter eine Zeitlang gekauft und sie hatte sie alle aufgehoben. Beton im Garten war damals "In" und mein Vater hat anscheinend ebefalls drin gelesen. Wie soll ich mir sonst den vielen Betom om Garten erklären können? *lol*

LG Lis

Barbara hat gesagt…

Vor noch gar nicht langer Zeit habe ich ebenfalls alte Gartenzeitungen entsorgt und kam natürlich nicht umhin auch noch darin zu lesen. Erstaunt habe ich festgestellt, wie mal Monokultur "in" war, ganze Beete nur mit einfarbigen Rosen, ähnlich wie in Parks. Ich glaube auch der Garten hat sich in vielen Belangen weiter entwickelt...wobei gewisse "Modeströmungen" natürlich doch vorkommen. Es ist und bleibt eine spannende Angelegenheit.....
Liebe Grüsse,
Barbara

Sigrun hat gesagt…

Was du so alles aufhebst! Ich finde es schon spannend, fünf Jahre alte Hefte zu lesen, die sind schon anders als die heutigen!

Al

Andrea's Garden hat gesagt…

Gudi, das hast du schön gesagt. Mir geht's auch so in meinem Garten. Wenn ich dann vollkommen k.o. im Liegestuhl liege, denke ich, dass es die Rückenschmerzen und den Muskelkater wert war/ist. Ich hebe auch einzelne Hefte auf, aber nicht alle und lese immer wieder gerne mal darin. LG, Andrea

Garden Cats + Crafts hat gesagt…

Hallo Gudi, habe auch noch 3 Hefte aus den 70ern und finde sie auch total interessant. Habe erst im letzten Winter versunken darin rum geblättert.

Sehr interessant und lesenswert dieser Post übrigens.

LG, Birgit

Bek hat gesagt…

Ich finde, sich selbst ein Gartenparadies zu schaffen, bringt noch mehr Zufriedenheit als sich in irgendeinem schoenen Garten zu befinden. Die Arbeit gehoert zum Paradies dazu.
LG, Bek

Margrit hat gesagt…

Das hast Du schön beschrieben.
Alte Hefte habe ich nicht mehr, ich entsorge von Zeit zu Zeit. Und das Messie-Gen habe ich nicht. :))
Viele Grüße
Margrit

Gudi hat gesagt…

Nein-nein, ich hab mich falsch ausgedrückt. Die uralten Hefte sind nicht von mir, sondern von meinen Schwiegereltern ;-))

Aber interessant sind sie schon. Alleine das rauhe Gilbpapier, fast alles S/W, hier und da ein mittlerweile sepiafarbenes verblasstes Buntfoto ...

stadtgarten hat gesagt…

Ich finde es auch total interessant, in uralten Zeitschriften zu lesen. Vieles ist und bleibt aktuell, anderes kann man sich dagegen heute gar nicht mehr vorstellen.
Liebe Grüße, Monika