Mittwoch, 23. Januar 2008

Der rollende Krammarkt

"Der billige Mann kommt!!"
So tönt es einmal monatlich durch das Dorf. Die Hausfrauen zücken ihr Portemonaie, überprüfen den korrekten Sitz ihrer Frisur und ab gehts auf die Gasse. Bis der Wagen um die Kurve kommt und am bekannten Haltepunkt zum stehen kommt wird mit den Nachbarinnen geratscht, Neuigkeiten ausgetauscht. Drinnen brennt das Mittagessen an, draußen brodelt die Gerüchteküche ... mehr oder weniger ...
Wer oder was ist nun dieser ominöse "Billige Mann". Wie auf den folgenden Fotos unschwer zu erkennen ist, handelt es sich um einen fahrenden Kramladen, der mittlerweile von einer Frau gesteuert wird (ein Hoch auf die Emanzipation).
Die Planen werden hochgeschlagen, Körbe auf den Boden gestellt, hinten ein Regal ausgezogen. Schon ist das Geschäft eröffnet.

Kaufen kann man dort all das, was man für den täglichen Haushalt braucht oder auch nicht braucht. Wolle, Geschirr, Schüsseln, Putzlappen, allerlei Dekoartikel, Stopfgarn, Stricknadeln, Kinderspielzeug und weiteres, was das Herz begehrt.



Sollte einmal etwas nicht gefunden werden, kein Problem. Die Herrin des Ladens weiß Rat und befördert mit einem Griff in die Untiefen des Wagen das Gewünschte hervor. Und wenn gerade das eine ganz bestimmte Kaffeelöffelchen mit diesem gewissen Schnörkeldekor ausverkauft ist, auch kein Problem. Dann warten wir eben vier Wochen darauf ...




Ganz wichtig und drum heiß umlagert ist die Putzmittelabteilung. Hier werden die diversen Produkte gelobt oder verworfen. Tipps und Erfahrungsberichte werden ausgetauscht, welche Chemie für welche Flecken am geeignetsten ist.

Und wenn nach der Putzorgie die Beine schmerzen, wenden wir die gute rote Weinlaubcreme an.





Es ist immer ein besonderes Ereignis, gerade für unsere lieben Alten, eine nette Abwechslung im täglichen Einerlei. Und nach einem befriedigten Einkauf, wenn auch der lang gehegte Wunsch nach einem neuen Trockenblumengesteck erfüllt ist, gehen alle zufrieden zurück in ihre Häuser, sofort hin zum Kalender und markieren, wann der "billige Mann" das nächste Mal kommt.

11 Kommentare:

Fuchsienrot hat gesagt…

Ach, das ist ja herrlich, dass es solche "Läden" noch gibt. Ich kann mich noch gut erinnern, dass in meiner Kindheit auch ein solcher Kramhändler zu uns ins Dorf kam. Das war damals immer eine interessante Angelegenheit und alle Nachbarn trafen sich am Wagen. Lang, lang ist's her...
Heute würde sich das bei uns gewiss nicht mehr rentieren, da es hier so viele Einkaufsmöglichkeiten gibt. Ist eigentlich schade.
Schön, dass ich das hier bei dir noch mal sehen konnte :-)
LG
Angelika

Sigrun hat gesagt…

Sowas kenne ich überhaupt nicht. Auch von früher nicht.
Wir hatten einen Milchmann und einen Gemüsemann, der rumfuhr.

al

Lis vom Lindenhof hat gesagt…

Du liebe Güte, ist das ein Chaos! Ihr müsst ja ganz schön weit ab vom Schuss wohnen dass sich sowas heutzutage bei euch noch lohnt. Ich kenne nur den "billigen Jakob", der war früher immer auf den Krämermärkten, bei dem sah es genau so aus. :-)
LG Lis

stadtgarten hat gesagt…

Ich hätte nicht gedacht, dass es so was noch gibt - finde ich aber klasse! Im dem Dorf, wo meine Eltern wohnen, kamen auch früher immer einige "Läden" angefahren, von Bäcker über Metzger zum Schuhladen.
Ich denke, auf dem Dorf ist so was auch wichtig, gerade für die älteren Leute, die nicht motorisiert sind. Denn es ist ja schon was anderes, wenn man selber einkaufen gehen kann, als wenn man es mitbringen lässt.
Hier in unserer Straße (eigentlich mitten in der Großstadt, aber doch wie Dorf) kommt einmal die Woche ein rollender Lebensmittelladen angefahren und die älteren Damen frequentieren ihn auch.

Deine Bilder vom Botanischen Garten in Marburg haben mir gut gefallen, aber genauso, wie Du noch nie in Wiesbaden warst, kenne ich Marburg leider nur vom daran vorbeifahren!

Vielleicht schaffen wir es ja dieses Jahr mal, ein Hessen-Treffen in WI zu machen, mittlerweile kann ich ja auch mal in den Garten einladen und nicht nur zum Weihnachtsmarkt.
Liebe Grüße, Monika

Andrea's Garden hat gesagt…

DAs ist ja toll. Im Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, kam auch so einer. Meine Oma kaufte da immer Bettwäsche und andere Sachen für die "Aussteuer" ihrer Enkelinnen. :-) LG Andrea

Gudi hat gesagt…

So viele begeisterte Posts! Danke. Ich dachte schon, ich langeweile euch hiermit.

Wurzerl hat gesagt…

Boah, so etwas habe ich ja noch nie gesehen!! Bei uns gabs mal einen Eiermann und Bäcker probierten es auch schon mal auf Rollen. Aber das ist ja schon ein ganzer Gemischtwarenladen auf Rädern!
Ich kann mir die Gespräche, die da rund um das Aussuchen geführt werden, sehr gut vorstellen. Du hast es ja auch ganz liebevoll und anschaulich beschrieben. Natürlich interessieren uns solche Dinge! Uns interessiert (fast) alles!
Lieber Gruß vom Wurzerl

Barbara hat gesagt…

Sagenhaft! Was es da alles zu kaufen gibt, kaum zu glauben. Und alles schön sortiert, damit frau es auch findet. Das ist Organisation. Ich habe von solchen fahrbaren Krämerladen schon gehört, aber noch nie gesehen. Eigentlich schön, dass solche Relikte aus alter Zeit auch heute noch gefragt sind. In alten Zeiten traf man sich am Brunnen zum gemeinsamen Schwatzen, heute anscheinend am rollenden Krammarkt. Danke, für diesen originellen post. Hat mir Spass gemacht ihn zu lesen!
Liebe Grüsse, Barbara

vintage-rose Cottage hat gesagt…

Herrlich das es soetwas gibt:O)
liebe Grüsse Belinda

Margit hat gesagt…

Ist ja Wahnsinn, dass es diesen fahrenden Händler bei euch noch gibt! Ich kenne sowas nur noch aus Erzählungen meiner Oma. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die ganze Straße hier gerne zum Tratschen, Gucken und Wühlen trifft. Unglaublich, was in so ein Fahrzeug alles reinpasst!
Liebe Grüße, Margit

SchneiderHein hat gesagt…

Ein ganzer Hannoveraner Pöttemarkt in einem Wagen! Da scheint bis auf Auto-Scouter und ein paar Freßbuden ja wirklich das gesamte Angebot rein zu passen. Den Markt gibt es allerdings nur 2x im Jahr. Und jedes Mal wundere ich mich, wenn Plakate wieder einen neuen Termin angekündigen. Schön, dass sich so ein Kult noch halten kann.
Liebe Grüße
Silke